Wasser – Grundlage des Lebens {Teil 2}

Heute geht es – nach einer kurzen Unterbrechung für die Piña Colada Torte – weiter mit meiner Wasserreihe. Im zweiten Teil möchte ich mich mit dem virtuellen Wasser befassen.

Für die Produktion von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen wird eine Menge Wasser benötigt – daher entsteht der Großteil unseres Wasserverbrauches durch das sogenannte virtuelle Wasser.
Der Begriff “virtuelles Wasser” bezieht sich auf den gesamten Wasserverbrauch, der zur Herstellung eines Produktes verwendet wird. Der Verbrauch zieht sich durch die gesamte Produktionskette hindurch und so kann eine Jeans schnell bis zu 8.000 Liter virtuelles Wasser verbrauchen.
(Quelle: http://www.utopia.de/galerie/so-viel-wasser-verbrauchen-produkte-wirklich)

Grün, Grau und Blau
Bei der Einteilung des virtuellen Wassers wird zwischen grünem, grauen und blauem Wasser unterschieden. Diese Unterscheidung bezieht sich auf das natürliche Vorkommen von Boden- und Regenwasser (grün), das Schmutzwasser (grau) oder das künstlich entnommene und zugefügte Wasser (blau). Aber was sagt mir das nun? Eigentlich geht es dabei um eine genauere Spezifizierung. Als John A. Allan 1995 den Begriff des virtuellen Wassers prägte, ging es darum aufzuzeigen, dass eine wasserintensive und exportorientierte Agrarnutzung in wasserarmen Regionen der Erde unsinnig und wirtschaftlich gesehen unrentabel sei. Es zielte darauf ab, dass in Zukunft sparsamer mit Wasser in Regionen mit Wassermangel umgegangen wird.

Das heißt, der virtuelle Wasserverbrauch eines Produktes setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. So wird bei der Herstellung von Rindfleisch nicht nur das Trinkwasser für das Vieh mit einberechnet, sondern auch das Wasser für die Herstellung der Nahrung desselben und die Bewässerung der Weiden. Hinzu kommt das verbrauchte Wasser während der Schlachtung und Produktion.

Wie kann man seinen eigenen virtuellen Wasserverbrauch verringern?
Es sollte weitläufig bekannt sein, dass Fleisch in der konventionellen Herstellung eine große Menge Wasser verbraucht. Ich vertrete die Meinung, dass jeder Fleisch essen kann, beim Kauf allerdings auf die Herkunft geachtet werden sollte. Durch die ökologische Tierhaltung wird eine geringere Menge Wasser verbraucht. Daher kann man schon bei geringeren Konsum von tierischen Produkten und bei Beachtung der Herkunft und Aufzucht beginnen Wasser zu sparen.

Natürlich gilt das auch für Obst & Gemüse. Hier sollte man ebenfalls auf die Herkunft achten. Es muss nicht unbedingt Bio Qualität haben, aber regional und saisonal sollte es zumindest sein. Die Anzucht von Obst & Gemüse verbraucht in anderen Ländern teilweise das doppelte an Wasser, hinzu kommt der Verbrauch für den Import. Ich finde es auch bedenklich Obst & Gemüse aus anderen Ländern zu kaufen, wenn es diese bei uns ebenfalls zu kaufen gibt – zur entsprechenden Zeit. Die meisten Supermärkte bieten ein großes regionales Sortiment. Wem das nicht reicht, hat immer noch die Möglichkeit, Bauernmärkte zu besuchen. In vielen Städten gibt es diese wöchentlich. [KLICK]

Also spart man virtuelles Wasser ganz leicht durch verminderten Fleischkonsum und den Kauf von regionalem und vor allem saisonalem Gemüse & Obst. Wer es ganz genau nimmt, kann bei verarbeiteten Produkten ebenfalls auf den Herstellungsort achten und in Bio-Qualität kaufen.

Nicht nur Lebensmittel verbrauchen bei der Herstellung virtuelles Wasser.
Natürlich betrifft der Verbrauch von virtuellem Wasser nicht nur die Lebensmittelherstellung, sondern auch die Produktion von Konsumgütern. Während der Herstellung eines PC wird eine Menge Wasser verbraucht – 20.000 Liter sind es bis zum Verkauf. Auch die Herstellung von Papier verbraucht eine Menge Wasser. So benötigt man für ein DinA4 Blatt circa. 10 Liter Wasser.
(Quelle: http://www.virtuelles-wasser.de/produktgalerie.html)

Wie kann man bei Konsumgütern virtuelles Wasser sparen?
Gerade bei Papier kann man durch die Verwendung von Recyclingpapier einiges an Wasser einsparen. Ein Blatt Recyclingpapier verbraucht lediglich 100 ml in der Produktion.
Klamotten, vor allem baumwollhaltige Kleidung, sollte nicht im Übermaß gekauft werden und nicht in „billig“ Läden. Gerade bei Baumwollprodukten sollte man auf Bio-Qualität achten. Gebrauchte Kleidung in secondhand Shops etc. zu kaufen und Klamotten, die man selbst nicht mehr trägt zu verkaufen, helfen ebenfalls den virtuellen Wasserverbrauch zu senken.

Deutsche Haushalte verbrauchen immer weniger Wasser. Somit sparen wir im alltäglichen Leben das „offensichtliche“ Wasser ein – wieso dann nicht auch das „virtuelle“ Wasser einsparen?
Man sagt, dass pro Kopf circa 120 Liter Wasser pro Tag genutzt werden. Das bezieht sich lediglich auf den Haushalt – also duschen/baden, waschen, spülen, kochen & Co. Doch bezieht man das virtuelle Wasser mit in die Rechnung ein, sind es plötzlich 3.900 Liter pro Person am Tag. Wenn sich darüber keiner Gedanken macht und sich nicht im Klaren ist, wie viel Wasser für Genuss- und Lebensmittel sowie Konsumgüter verbraucht und teilweise auch verschwendet wird, kann es schon bald kein Trinkwasser mehr geben. Da braucht man nur an die Austrocknung des Aralsees zu denken. Das Problem der ausgetrockneten Gebiete wird sich nicht auf einzelne Kontinente beschränken, sondern auch immer weiter in unsere Region wandern. Erst dann zu handeln ist zu spät!

„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge,
um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.“ (Rosa Loui)

 

Durch unseren hohen Wasser-Fußabdruck in Deutschland (rund 117 Milliarden Kubikmeter im Jahr), der zu mehr als einem Drittel aus importierten Agrarprodukten besteht, schüren wir mögliche Konflikte um das Trinkwasser in wasserärmeren Regionen der Erde. Hier würde ich gerne aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zitieren: „Es ist zu erwarten, dass durch die zunehmende Globalisierung der internationale virtuelle Wasserexport noch zunehmen wird. Bisher macht er 16 Prozent der virtuellen Wassernutzung aus. Inzwischen gibt es eine wissenschaftliche Debatte darüber, ob sich das Wasserproblem mancher Länder mindern ließe, wenn diese die wasserintensive Produktion etwa von Getreide und Gemüse einstellen und diese Güter stattdessen importieren würden.
Doch was in der Theorie einleuchtend klingt, wirft in der Praxis gravierende Probleme auf. Denn wasserarme Länder sind oft auch wirtschaftlich in einer schwierigen Lage, so dass sie die Importe gar nicht finanzieren könnten. Auch müssten viele Menschen entlassen werden, die jetzt in der wasserintensiv betriebenen Landwirtschaft arbeiten. Zudem verhindern politische Probleme eine Lösung des Wasserproblems auf diese Weise.
Ein Land wie Syrien beispielsweise würde sich sicherlich nicht von Weizenlieferungen aus den USA abhängig machen wollen, selbst wenn dadurch Wasser gespart würde.“ [Quelle]

Das heißt zusammengefasst, dass das Problem des verschwindenden Wassers viel größer ist als es scheint und auch von politischer Seite aus geregelt werden müsste. Doch wenn keiner den ersten Schritt wagt und beginnt Wasser, auch das Virtuelle, zu sparen, kommen wir leider auch nicht weiter.

Was sind eure täglichen “Wasserfresser”? Wie versucht ihr, nachhaltiger zu leben?
Macht es euch schön ♥
Nadine

Ich empfehle zu dem Thema den Film „Über Wasser“ von Udo Maurer [KLICK] sowie das Buch „Wenn die Flüsse versiegen“ von Fred Pearce [KLICK]

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7 Kommentare

  • Antworten
    Pfefferschote
    29. April 2015 at 14:34

    Meine Jeans hole ich fast immer Second Hand, das ist ja schon mal was. 🙂
    Allerdings: Beispielsweise Tomaten nur regional in der Saison einkaufen, das macht sicher keiner.

    • Antworten
      nadine
      29. April 2015 at 14:34

      Ja, genau darum geht es dabei. 😉
      Man muss ja nicht zu 100% alles immer saisonal und regional kaufen. Man sollte nur beginnen darauf zu achten und nicht “kopflos” einkaufen gehen. Das hilft sicherlich ein kleines Stückchen weiter.

      • Antworten
        Pfefferschote
        29. April 2015 at 14:34

        Genau so sehe ich das auch. Nur viele wissen gar nicht mehr, wann WIrsing, Karotten und Co reif sind.
        Ach, es müsste noch Landwirtschaft als Fach in der Schule geben, das wäre viel wichtiger. 🙂

        • Antworten
          nadine
          29. April 2015 at 14:35

          Das stimmt leider… 🙁
          Landwirtschaft oder ein ausgeweiteter Hauswirtschaftsbereich. Viele wissen ja leider auch nicht mal wie man richtig kocht etc…

          • Pfefferschote
            29. April 2015 at 14:35

            Genau. Das sind aber eigentlich die wirklich wichtigen Dinge im Leben. 🙂

          • nadine
            29. April 2015 at 14:35

            Eigentlich – aber das wird in der heutigen Gesellschaft leider nicht mehr so angesehen. Viele Eltern interessiert es leider auch nicht… Daher ist das auch nur ein kleiner mini Punkt vom großen Ganzen.

          • Pfefferschote
            29. April 2015 at 14:37

            Gut, dass es immer mehr werden, die sich wieder dafür interessieren. 🙂

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